Freitag, 4. Mai 2018

blind

bisher habe ich unsere hündin hier madam l. genannt. im echten leben hat sie einen viel, viel schöneren namen. sie heisst layana und so werde ich sie ab jetzt auch hier nennen. und wenn ich gerade dabei bin, etwas persönlicher zu werden; der mössio e. heisst richtig emil.

heute ist es genau zwei wochen her, dass layana angefahren worden ist und ihre augen verloren hat. sie musste zwei operationen über sich ergehen lassen, ein trommelfell ist geplatzt und ich denke, dass auch der facialisnerv was abbekommen hat. sie scheint aber gut zu hören und auch das fressen klappt ohne schwierigkeiten. nur manchmal sabbert sie ein klein wenig. auch schmerzen scheint sie keine zu haben.

ich bin ja nicht gläubig, aber wenn ich an wunder glauben würde, dann wäre das, was in den vergangenen zwei wochen passiert ist eines. oder zwei. das erste ist, dass sie den grässlichen unfall ohne weitere verletzungen überlebt hat. das zweite, wie schnell und gut sie sich in ihrem neuen leben ohne augenlicht zurecht findet.

nach zwei nächten in der tierklinik, wo sie, allein in einem käfig, den raum mit einer randalierenden artgenossin teilen musste, brauchte sie anfänglich ganz viel sicherheit und jede menge streicheleinheiten. wenn einer von 'ihrem rudel' fehlte, wirkte sie unruhiger und verstörter.

die operation zur entfernung des zweiten auges am mittwoch vor einer woche war für mich irgendwie der beginn des heilungsprozesses, der beginn des neuen lebens als blinder hund für layana und für uns eines lebens mit einem blinden hund.

layana war ja schon immer ein energiebündel und manchmal ein kleiner sturschädel. und nun macht sie uns menschen gerade vor, wie 'man' mit einem schicksalsschlag umgehen kann. indem man sein schicksal in die eigenen pfoten nimmt.
etwas hilfe von ihren zweibeinern nimmt sie wohl oder übel an. mit ihrem temperament donnert sie aber trotzdem gelegentlich gegen ein hindernis. sich kurz schütteln und weiter geht's!


im haus findet sie sich schon wieder prima zurecht. hüpft wieder aufs sofa rauf und runter, findet den futternapf und ihr spielzeug und spaziert ohne ängste zwischen tisch- und stuhlbeinen hindurch. sie orientiert sich mit geruchs-, tastsinn und gehör.

damit auch wir zweibeiner besser und sicherer mit der neuen situation umzugehen lernen, gehen wir morgen nach jahren wieder zum hundetrainer.

emil musste sich auch erst daran gewöhnen, dass layana ihn nicht sieht, seine körpersprache nicht mehr lesen kann und manchmal einfach in ihn hinein läuft. er hat ihr dann mit knurren zu verstehen gegeben, wo seine grenzen sind. aber er schätzt es natürlich, dass nun auch für ihn mehr streicheleinheiten und gutzelis abfallen. die zweibeiner im rudel wollen ja keinen der kleinen vernachlässigen!

der unfallfahrer konnte mittlerweile ermittelt werden. er sagt, er habe vom unfall nichts bemerkt, sonst hätte er natürlich angehalten. es erschreckt mich schon ziemlich, wie unaufmerksam der offensichtlich durch die gegend fährt! nichts gespürt, nichts gehört, nichts gesehen! aber so einen riesengöppel fahren!
noch nicht mal angerufen hat der! keine erklärung, keine nachfrage, wie es layana geht...
aber eigentlich mag ich mich gar nicht über den mann ärgern. ich bin einfach froh, dass die kleine noch bei uns.

herzlich,

mo





Kommentare:

  1. Ach, geh, es geht einem schon immer wieder durch den Kopf, wie viele Astlöcher um einen herum leben...
    Aber ich freue mich mit euch, dass Layana lebt und zurecht kommt. Irgendwie seid ihr mir ans Herz gewachsen...
    Bon week-end!
    Astrid

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    1. astlöcher find ich gut! ;-) danke dir für's mitfreuen!

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  2. gut dass die erfahrungen mit der blindheit des hundes zeigt, dass neue wege so natürlich kommen
    aber auch mit den operationen die gesundheit so gut wieder kommt *
    schönes wochenende :)

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    1. ja, liebe monique, es ist eindrücklich, wie vieles die tiere mit ihrem gut ausgeprägten instikt und ihren sinnen von der welt wahrnehmen können und wie sie ohne selbstmitleid einfach das beste aus einer situation zu machen versuchen. da können wir menschen viel von ihnen lernen.

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  3. Layana und Emil, was für schöne Namen! Deine Textete machen beim Lesen so betroffen - und doch schreibst du sie so hoffnungsfroh und zuversichtlich. Hach, teil doch mal eine Extrastreicheleinheit von mir aus.

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    1. war ja klar! vor allem emil, gell! ;-)
      streicheleinheit wurde gerecht verteilt und freudig entgegen genommen, die beiden lassen danken! ein schlabber zurück! ;-)

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Danke fürs Vorbeischauen auf meinem Blog! Ich freue mich sehr über deinen Kommentar!

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