Donnerstag, 22. Februar 2018

ein paar gedanken über mich und (volks)theater

diesen monat möchte astrid gerne etwas zum thema theater lesen. zuerst dachte ich ja, dass ich dazu nichts schreiben kann.

als erstes fällt mir der spruch 'mach nicht so ein theater' ein, den ich als kind nur zu oft hören musste.
oder ich denke an das gruslige affentheater in 'merika (wobei ich da den affen wohl ziemlich unrecht tue).
beides keine themen über die ich hier ausführlicher schreiben werde!

von 'richtigem' theater verstehe ich nicht viel. und zum schauspielern habe ich sowas von kein talent. ich schaffe es gerade mal ich selbst zu sein, vergiss jemand anderes zu spielen! ihr könnt mich also theaterbanausin nennen!

hier hat ja fast jedes dorf eine theatergruppe, die jährlich einen schwank aufführt. die laienschauspielerInnen geben sich wirklich mühe und die aufführungen sind immer sehr gut besucht. aber mir sagt das nichts. ich finde die gags meist nur mässig lustig und die schauspielerischen leistungen eher bescheiden. sorry!

also, was schreiben zum thema theater?

dann ist mir eingefallen, dass wir im kanton uri ja das tellspielhaus haben. heute heisst das zwar offiziell theater uri. aber für mich bleibt es das tellspielhaus.



da wird (unter vielem anderem) alle vier jahre das drama wilhelm tell von friedrich schiller aufgeführt. alle vier jahre die gleiche geschichte, alle vier jahre so ganz anders!
als die eindrücklichste aufführung bleibt mir die inszenierung von volker hesse 2008 in erinnerung. es war einfach nur genial, was da einige profis und ganz viele laienschauspielerInnen zustande gebracht haben! das bühnenbild! die choreographie, die musik von grandiosen hackbrettspieler töbi tobler...
die beiden nachfolgenden tellspiele 2012 (ebenfalls unter der regie von volker hesse) und 2016 vermochten mich nicht mehr annähernd so zu packen. ich denke, ich habe die besten tellspiele aller zeiten gesehen.

mit dem tellspielhaus verbinde ich auch einige tolle theateraufführungen mit einheimischen schauspielerInnen.

die brüder andri und matteo schenardi zum beispiel, welche zusammen mit der marionettengruppe gelb-schwarz dem urner krippenspiel von heinrich danioth im letzten dezember neues leben eingehaucht haben.

oder die liebenswürdige bäuerin martha die kaum je den kanton uri verlassen hat und doch so weltoffen ist. sie bricht alle zelte ab und reist zur hochzeit ihrer tochter nach indien.

dann gibt es noch die theatergruppe momänt und co, welche ca. alle zwei jahre ein theaterstück zum besten geben. lustig, lustvoll, kreativ und auf einem hohen schauspielerischen niveau.
besonders ihre version des grenzlaufs wird mir immer in bester erinnerung bleiben.

ach ja, walter sigi arnold! ihn haben wir letzten sommer in den luzerner freiluftspielen erlebt. stadt der vögel. was für ein spektakel!

womit ich beim freilufttheater wäre. es ist immer wieder ein ganz besonderes erlebnis ein theater unter freiem himmel zu geniessen.
die geschichte vom hotelier, der die vision hatte, auf dem bürgenstock eine hotelanlage zu bauen hat mich inhaltlich nicht sonderlich überzeugt, aber das bühnenbild im tribschen luzern, mit dem see im hintergrund und ein abend mit einem atemberaubenden sonnenuntergang! waaahnsinn!

das erste theater, das ich mit herr mo zusammen besucht habe, war auch mein erstes freilufttheater. das stück pfäfferwiiber wurde im rossstallhof des klosters einsiedeln aufgeführt. zwischen ställen und miststock. lang, lang ist's her!

in herr mo's alter heimat einsiedeln gibt es die ambitionierte gruppe chärnehus, welche regelmässig mit sehenswerten theaterstücken aufwartet.

die schrägen vögel sind ebenfalls aus einsiedeln. in dieser theatergruppe spielen auch menschen mit einer behinderung mit. sie haben wir vor jahren zusammen mit der stiftsschule einsiedeln in shakespeares sommernachtstraum gesehen.

mein ultimatives theatererlebnis war das grosse welttheater von 2000. ebenfalls in einsiedeln, ebenfalls inszeniert von volker hesse und unter der regie von thomas hürlimann. ganze drei(!) mal habe ich es mir angesehen! alle themen der welt auf dem klosterplatz von einsiedeln. ein greiser, hagerer pater, der die welt spielte und gegen ende völlig durchnässt auf den pflastersteinen lag. ich kriege noch heute hühnerhaut wenn ich daran zurückdenke! könnte ich nur ein einziges stück noch einmal sehen, es wäre dieses!
ich habe das grosse welttheater 2007 noch einmal gesehen. es hat mir ebenfalls gut gefallen, aber an das 7 jahre zuvor reichte es nicht heran.

ein teuflisch gutes theatererlebnis waren die freiluftspiele tyyfelsbrigg in andermatt. herrlich, wie da die bekannte sage von der teufelsbrücke inmitten der schroffen berglandschaft erzählt wurde.

über das erschütternde puppentheater von nikolaus habjan habe ich bereits geschrieben.

leider habe ich es verpasst bei volker hesses inszenierung zur eröffnung des neat basistunnels live dabei zu sein. obwohl ich ja fast beim tunneleingang wohne und die baustelle während vielen jahren ständig präsent war, hat mich das ganze tamtam und die prominenz abgeschreckt und so habe ich mir das ganze nur im fernsehen angeschaut. viele fanden es ja sehr schräg, einige sogar provokativ. mir gefällt sowas.

mit dem theater geht es mir ähnlich wie mit der musik; entweder die geschichte packt mich oder eben nicht. ich will die spielfreude und die kreativität der schauspielerInnen und regisseurInnen spüren.

ou, ou, ou, liebe astrid, und ich dachte, über theater wüsste ich nichts zu schreiben... ich hoffe, ich habe dich (und falls sonst noch jemand bis hierher gelesen hat...) nicht allzusehr gelangweilt! aber ich höre jetzt auf zu plaudern und schaue mal, ob es in nächster zeit irgendwo ein sehenswerts theater gibt.
danke dir für das thema!

 
herzlich,

mo


Kommentare:

  1. Im Gegenteil! Horizonterweiterung vom Feinsten! So liebe ich das, kannte ich doch außer dem Wilhelm Tell nur noch den Thomas Hürlimann ( als geschätzter Autor ). Ich muss auch gestehen, dass mir bei meinen Schweiz- Besuchen auch das großartige Naturschauspiel schon ( größtes ) Vergnügen bereitet. Und wenn ich so lange brauche wie zu meinem ersten Besuch im Kunsthaus Zürich, dann habe ich noch zehn Jahre, bis ich ins Schauspielhaus komme :-D.
    Aber interessant klingt das schon alles. Und als Banausin kann ich dich nicht betrachten, denn du reagierst ja auf da, was dir geboten wird und lässt dich berühren ( oder eben nicht ). Mehr will und soll Theater ja auch nicht.
    Danke fürs Mitmachen!
    Herzlich
    Astrid

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  2. so viel kommt wenn die gedanken auf dem thema richtig kommen :) deine spannende erlebnisse mit freilufttheater haben mich sehr interessiert und es sind einige abende die mir wieder eingefallen sind * ja herrlich wenn die naturelemente mitspielen denke an die geschichte von la "belle et la bête" bezaubernde kostüme und sogar pferde die in spielraum (park und schloss) kamen * in der sommernacht (fête de la musique im juni) ist hier überall vieles bezauberndes (sogar gratis) zu sehen * aber im theater sehe ich auch gerne gute spielleistungen !
    liebe grüsse

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  3. ps... es war nach dem Märchen "Peau d’âne" und nicht "la belle et la bête"...
    salut :)

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  4. Das stell ich mir super vor. Den Wilhelm Tell alle vier Jahre anders... super!

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Danke fürs Vorbeischauen auf meinem Blog! Ich freue mich sehr über deinen Kommentar!

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