Samstag, 16. Februar 2019

Ein Märchen

Eine Weile habe ich hin und her überlegt, ob ich nochmals über die Freundin schreiben soll und darf. Mit Computer und Internet stand sie nämlich auf Kriegsfuss und meinen Blog hat sie kaum je gelesen. Ich hätte sie gerne gefragt. Aber, als ich sie ein letztes Mal besuchen wollte, war da nur ihr Körper. Ihre Seele habe ich nicht mehr gespürt.
Also habe ich zu ihr/mir gesagt: 'Wenn du dich schon einfach so davon machst, ohne mich zu fragen, dann mache ich jetzt auch das, was mir gut tut, was mir hilft, dich gehen zu lassen!'

Als die Zitronenfalterin Andrea für ihr Monatsmotto 'Märchen' vor einigen Tagen hier ihre wunderschöne Umsetzung der 'Prinzessin auf der Erbse' gezeigt hat, ist es mir wieder eingefallen. Und es hat mich nicht mehr losgelassen, das Märchen, das mich nun für immer an die Freundin und ihren Tod erinnern wird.

Es ist ein sehr, sehr trauriges Märchen! Liebe Leserin, lieber Leser, am besten entscheidest du hier, ob du weiterlesen willst oder nicht.

Das Märchen handelt in Kopenhagen.
Eine unserer wenigen gemeinsamen Reisen hat die Freundin und mich nach Kopenhagen geführt.



Das Märchen wurde von Hans Christian Andersen geschrieben.
Auf dieser Reise haben die Freundin und ich auch Andersens Geburtsstadt Odense besucht.

Es ist ein Weihnachtsmärchen, ein sehr trauriges.
Die Freundin war, nicht nur, aber vor allem, unsere Weihnachtsfreundin. Seit fast 30 Jahren haben wir zusammen am 24. Dezember gebruncht. Meistens bei ihr. Niemand hatte einen schöneren und grösseren Weihnachtsbaum als sie, niemand hatte eine schönere und lebhaftere Krippe als sie. Bei unserem Brunch ging es nie um Geschenke, sondern um das Beisammensein, das Lachen, das Erzählen, das Schmausen. Der Brunch mit der Freundin, das war unser Weihnachten.
Wir werden Weihnachten neu erfinden müssen.

Es ist die Geschichte eines kleinen Mädchens.
Die Freundin hat für die Kinder gelebt. Bei ihr hatten wir immer das Gefühl, dass sie sich im Herzen ein Stück Kindheit bewahrt hat.
Sie hat 'ihren Kindergärtlern', den Patenkindern, den Nichten und Neffen gezeigt, was wirklich wichtig ist im Leben. Nicht teures Spielzeug und Geld, sondern bedingungslose Liebe, Humor, Heiterkeit, Spielen, Singen, Kreativsein. Die Natur und der Jahreskreis waren ihr wichtig.

Das kleine Mädchen war arm, allein und hatte kalt.
Arm an Geld war die Freundin nicht. Sie hat sich aber grosse Sorgen um ihre Zukunft gemacht, auch finanzielle. Vor allem aber fühlte sie sich innerlich arm. Ihre Gefühle schienen ihr verarmt.
Allein war die Freundin auch nicht. Bis zum Schluss hat sie gespürt, wie sehr sie geschätzt und geliebt wurde. Sie glaubte jedoch, es nicht wert zu sein und nicht mehr genügend zurückgeben zu können.
Aber ihr war kalt! Sie hat die Wärme gebraucht. Für ihre Seele und für ihre schon seit vielen Jahren schmerzenden Gelenke. Vor zwei Jahren musste sie ihre schöne, helle, in jeder Beziehung warme Wohnung verlassen und zog in eine Wohnung, in der es im Winter nie richtig warm wurde und die ihre Seele nicht zu erwärmen vermochte.
Auch all die traurigen Geschehnisse auf der Welt, Krieg, Hunger, Leiden, Ungerechtigkeit... ertrug die Freundin in ihrer Summe nicht mehr. Computer, Internet und Handys empfand sie als 'Errungenschaften', welche die Welt kälter werden lassen.

Das kleine Mädchen verkaufte Streichhölzer. An diesem Tag hatte ihr niemand auch nur ein Stück abgekauft.
Um sich ein wenig zu wärmen, zündete sie sich eines an. Dann noch eines. Und noch eines. Jedes Mal erlebte es so schöne Dinge, wie es sie noch nie im Leben gesehen und erlebt hatte. Einen wärmenden Ofen, ein Festmal, einen wunderschönen Weihnachtsbaum.
Auf ihre Art verkaufte auch die Freundin Streichhölzer, die die Menschen wärmen sollten. Aber Liebe und Wärme, so meinte sie, wären in der heutigen Welt nicht mehr gefragt.
Am schlimmsten muss für sie aber das Gefühl gewesen sein, ihr inneres Feuer nicht mehr zum Brennen bringen zu können. Trotzdem versuchte sie, wie das kleine Mädchen, mehrmals, die Glut wieder zu entfachen. Und mehrmals lebte sie für kurze Zeit wieder auf, sprühte vor Lebenslust und fand ihren einmaligen Humor wieder.

Das kleine Mädchen sehnte sich nach der Liebe und Geborgenheit der Grossmutter. Beim vierten Streicholz erschien ihr diese. Das Mädchen zündete die ganze Schachtel an, weil es Angst hatte, die Grossmutter würde nach dem Erlöschen des Hölzchens wieder weggehen, so wie auch alle anderen schönen Erlebnisse wieder erloschen waren. Und es bat die Grossmutter, es mitzunehmen.
Die Freundin war gläubig. Sie hat ihren Glauben still für sich gelebt. Nie hat sie einen Versuch unternommen, mich, die Ungläubige, zu bekehren.
Nachdem sie mehrmals das innere Feuer wieder zu entfachen versucht hatte und es jedesmal bald wieder erlosch, begann sie sich nach der Liebe und Geborgenheit ihres Gottes zu sehnen und bat Gottes Mutter, ihren wärmenden Mantel um sie zu legen.

'Aber im Winkel am Hause saß in der kalten Morgenstunde das kleine Mädchen mit roten Wangen, mit lächelndem Munde – tot, erfroren am letzten Abend des alten Jahres. Der Neujahrsmorgen ging über die kleine Leiche auf, welche mit Schwefelhölzern da saß, wovon ein Bund fast verbrannt war. Sie hat sich wärmen wollen, sagte man. Niemand wußte, was sie Schönes erblickt hatte, in welchem Glanze sie mit der alten Großmutter zur Neujahrsfreude eingegangen war!'


Habt ihr es erkannt, das traurige Märchen?
Ich kenne es schon sehr lange, aber ich habe lange nicht mehr daran gedacht. Leider habe ich kein Märchenbuch mehr, in dem es enthalten ist. Ob ich es wohl in der grossen Bilder- und Märchenbuchsammlung der Freundin wiederfinden werde?

 
Herzlich,

Monika

Dieser Post geht zu Andrea's Februar-Motto 'Märchen'












Montag, 11. Februar 2019

Kurz.ge.schich.ten N°10 {auffallen}

Hallo zusammen!

Frauchen hat lange überlegt, ob sie heute selber schreiben soll.
Sie und Herrchen sind gerade sehr, sehr traurig, weil uns eine ganz liebe Freundin für immer verlassen hat. Ihre 'älteste' Freundin.
Weil wir Hunde ja in diesem Blog eher für die heiteren Seiten zuständig sind, wollte Frauchen das Schreiben heute, wo es um ein so schweres Thema geht, selber übernehmen. Sie dachte nämlich, heute gehe es bei Paula's Kurz.ge.schicht.ten um {erkennen}. Das hätte sie mit ihrer Freundin in Verbindung bringen können. Eine Kurz.ge.schich.te über die Freundschaft oder über das Abschiednehmen. Sie war sich aber noch nicht sicher, ob und was sie wirklich hier auf dem Blog erzählen möchte.

Als Frauchen mir nochmals Paula's Stichworte für den Februar vorgelesen hat, ist mir natürlich sofort 'aufgefallen', dass ja {erkennen} erst Ende Februar das Thema ist. Diese Woche ist 'auffallen' dran.
Frauchen war etwas ratlos.Das sei für sie ein Zeichen, dass es noch nicht an der Zeit sei, hier über die Freundin, den Tod, die Fragen, das Akzeptieren, das Erkennen zu schreiben. Über was sie denn nun schreiben solle? Schreiben müsse sie nämlich! Es treibe sie richtig dazu!

Dann ist ihr der Gartenzwerg eingefallen.


Und sie musste wieder weinen.

Also habe ich zu ihr gesagt:


'Komm, Frauchen, lass uns die Geschichte vom Gartenzwerg erzählen! Zusammen schaffen wir das! Wenn du traurig wirst und wieder weinen musst, ist das gut so!'



Der Zwerg

Der Zwerg ist ein sehr 'auffälliger' Zwerg.
Er wurde zusammen mit einer ganzen Zwergen- und Zwerginnenschar in einer Werkstatt geschaffen, in der Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung arbeiten. Betongrau kam er aus seiner Form. Der Mann, der ihm sein Gewand gab, hatte grosse Freude daran, jeden der Zwerge anders einzukleiden. Zuerst waren alle Zwerge bunt gepunktet. Eine rote Mütze mit blauen Punkten, eine grüne Jacke mit gelben Punkten... Dann fand er, dass Blümchen auch gut passen würden. Eine gelbe Schürze mit weissen Blümchen drauf, eine einzelne lila Blüte auf der Mütze. Zu Weihnachten zog er den Zwergen rote Kleider an, mit schwarzem Gürtel. Der Bart natürlich in weiss.
Im Sommer wollte er etwas ganz besonderes, etwas richtig buntes, 'auffälliges', fröhliches. Regenbogenbunt! Genau!
Der Gewandmaler zeigte der Frau... nennen wir sie wieder Frau Mo... ein Foto des Regenbogenzwerges. Er hat Frau Mo auf dem Bild zugezwinkert! Sie hat es genau gesehen!
Es dauerte nicht lange, da zog der Regenbogenzwerg bei Herr und Frau Mo und ihren Hunden ein. Er war jedoch etwas ruhelos, konnte sich nicht entscheiden, wo er seinPlätzchen haben möchte. So wanderte er ein wenig umher. Auf dem Balkon fürchtete er, herunter zu fallen, im Wohnzimmer mochte er sich mit seinen bunten Farben nicht so richtig einordnen, im Garten dagegen, ging er in den Blumen regelrecht unter.
Dann hörte er von der Freundin von Frau Mo, die gerade beide Füsse gebrochen hatte und für lange Zeit im Spital und in der Reha bleiben musste.
Der Zwerg sagte zu Frau Mo: 'Es tut mir leid, aber ich muss weiterziehen. Ich habe eine neue Berufung, der muss ich folgen!'
Frau Mo liess ihn ziehen. Nicht gern, aber sie sah auch, dass sein Platz nun bei der Freundin sein musste.
Die Freundin freute sich unglaublich. Sie liebe doch Regenbögen so sehr! Sie taufte den Regenbogenzwerg auf den Namen Wichtel. Er fand, das sei ein guter Name. Wichtel sind liebe Wesen. Sie helfen gern, bereiten den Menschen Freude und zaubern ihnen ein Lächeln auf's Gesicht.Das alles konnte er gut!
Der Wichtel hat die Freundin auf ihrem Weg zum Gesundwerden begleitet. Er hat mit ihr den vergangenen langen, heissen Sommer im Spital und in der Reha verbracht, sie aufgemuntert und alle zum Lachen gebracht.
Anfänglich hat er Frau Mo regelmässig Fotos geschickt. Wichtel im Spitalgarten, Wichtel in den Blumen in der Reha, Wichtel mit 1.Augustwegge und Schweizerfähnchen.
Irgendwann, hörten die Nachrichten vom Wichtel auf. Frau Mo hat ihn fast vergessen.
Sie dachte, es gehe ihm und der Freundin gut. Das tat es wohl auch für einige Zeit.
Dann aber hat die Freundin verlernt, die Farben zu sehen. Wichtel konnte sie nicht mehr aufmuntern. Er versuchte zu leuchten, so gut er konnte. Es nützte nichts.
Die Freundin erhielt Hilfsangebote von ganz vielen Menschen und Engeln, die alle auch für sie da sein, sie begleiten, sie unterstützen wollten, die sich nichts mehr wünschten, als dass Freude und Wärme wieder ihr Herz erreichen.
Es schien, als wäre sie auf dem Weg der Heilung. Vielleicht hat sie den anderen und sich selber auch etwas vorgemacht. Wir werden es wohl nie erfahren.
Die Freundin hat sich still und 'unauffällig' aus dem Leben geschlichen. Bis ganz zuletzt hat sie alles getan um niemandem 'zur Last' zu fallen. Ob sie je daran gedacht hat, dass die Last, die nun all ihre Liebsten spüren, so viel mehr wiegt?
Zum Abschied hat sie ihr Paradies gezeichnet. Palmen, das Meer und die bunten Fische, die sie so geliebt hat. Blumen, Vögel, die Natur. Und ihre letzte Botschaft an ihre Lieben unter einem Regenbogen.
Die traurige Nachricht kam für Frau Mo nicht ganz unerwartet, sie hat sie aber trotzdem zutiefst schockiert. Sie respektiert den Entscheid der Freundin und hofft, dass sie ihr Paradies gefunden hat. Aber manchmal fragt sie sich, ob es nicht doch noch einen anderen Weg gegeben hätte...
In ihrer Trauer hat sich Frau Mo wieder an den regenbogenbunten Zwerg erinnert. Was wohl aus ihm geworden ist? Sie hofft, dass er wieder zu ihr zurückfindet und nun sie tröstet, sie aufmuntert und zum Lachen bringt.



Ja, das war die Geschichte vom Zwerg. Ich finde, es ist richtig, sie zu erzählen. Vielleicht kann ich Euch irgendwann erzählen, wie es weiter ging, vielleicht auch nicht.
Frauchen ist zwar noch immer sehr traurig und sie hat beim Schreiben ein paar Mal geweint. Aber sie sagt auch, das Schreiben habe ihr gut getan und sie ein wenig getröstet.

Wir schicken diese Geschichte gerne wieder zu Paula und ihren Kurz.ge.schich.ten

 
Herzlich,

Layana


https://paulashaus.blogspot.com/search/label/Kurzgeschichte




Montag, 4. Februar 2019

Kurz.ge.schich.ten N°9 {verkleiden}

Grüezi miteinander

Heute möchte Paula eine Kurz.ge.schich.te zum Thema 'verkleiden'. Menschen tun ja sowas gerne, besonders in der Fasnacht. Warum sie das tun, weiss ich zwar nicht, aber ich finde es lustig, wenn da überall so bunte Gestalten herumlaufen und laute Musik machen. Ich habe da keine Berührungsängste.


Frauchen sagt, sie hat ein etwas ambivalentes Verhältnis zur Fasnacht und zum 'Verkleiden'. Das Ganze lasse sie meistens eher kalt. Erst am Güdisdienstag, dem letzten Tag der Fasnacht bekomme sie jeweils Lust, sich zu 'verkleiden'. Sie habe dann so viele grossartige Masken und kreative Ideen gesehen, dass sie sich jedes Jahr vornehme, für Herr Mo und sich nächstes Jahr auch ein tolles, buntes, ausgefallenes... Kostüm zu machen.
Dann gehe es einen Moment und schon stehe die nächste Fasnacht vor der Tür und sie habe keine Idee, wie sie sich verkleiden könnte.
Frauchen ist beim Sinnieren über die Fasnacht eine kleine, etwas sentimentale Geschichte eingefallen.

Fasnacht am Berg

Die Kinder lebten auf einem Bergbauernhof, weit abseits vom Dorf. Ausser zu ihrer Familie, den Cousinen, Cousins, Tanten und Onkeln hatten sie wenig Kontakte. Sie waren schüchtern und fürchteten sich ein wenig vor allem Fremden.
Im Winter hörten sie manchmal von weit unten im Tal die Pauken der Katzenmusik. Bei Föhn auch mal den einen und anderen Trommelwirbel und ein paar Fetzen der Bläser. Bumm, bumm, bumm...
Als die älteste der Kinder in die Schule kam, übernachtete sie, wenn die Seilbahn zum Berg hoch wegen Föhn oder Schnee ausser Betrieb war, manchmal bei der Grossmutter. Das war ein Erlebnis, als sie das erste Mal die Katzenmusik von ganz nahe miterlebte. Bumm tatatata, bumm tatatata... Durch Mark und Bein gingen ihr diese Töne. Jeder konnte da mitmachen, sobald er eine Pauke tragen oder die Trommelstöcke richtig in die Hand nehmen konnte. Posaune und Trompete waren dann eher für die Fortgeschritteneren.
Das möchte sie auch! Aber die 'verkleideten' Gestalten der Katzenmusik machten ihr auch Angst. 'Gäll kännsch mi nid?!' Nein, sie kannte die Person hinter der Maske nicht.
Ui, und dann die Drapolinge! Wilde, gfürchige Kerle waren das! Auf kleine schüchterne Mädchen schienen sie es besonders abgesehen zu haben.
Aber oben auf dem Berg, da könnte sie doch auch eine Katzenmusik gründen! Keine Drapolinge und nur Maschgerade, die sie kennt.
Die anderen Kinder waren schnell überzeugt. Pauken und Trompeten gab es auf dem Bauernhof zwar keine, aber Ersatz war rasch gefunden; Pfannendeckel, Milcheimer, Plastikschüsseln, eine Tröte, eine Rätsche. Das müsste gehen!
Sich 'verkleiden' und schminken gehörte natürlich auch zu einer richtigen Katzenmusik. Vaters Schwingerhose, Grossmutters geblümte Schürze, eine löchrige Hose... Nein, Prinzen und Prinzessinnen waren sie wahrlich keine!
Als Indianerin, Clown, Chinesin und alte Hexe zog die gute Handvoll Kinder oben am Berg durch den Schnee und spielte den Katzenmusikmarsch mehr schlecht als recht. Bumm, rätsch, peng...
Fasnachtsstimmung wollte nicht so richtig aufkommen, die Katzenmusik am Berg wurde bald wieder aufgegeben.
Erst viele Jahre später hat sich der Ältesten der Reiz der Fasnacht, des 'Verkleidens, des 'Gäll kännsch mi nid?!' und der Urtümlichkeit der Drapolinge erschlossen.


Aso, wenn ihr mich fragt; das ist eine seltsame Geschichte! Ich kann auch ohne mich zu verkleiden verrückt spielen und mein Gebelle ist mindestens so schön wie jede Katzenmusik!
Frauchen wird ihre Geschichte aber trotzdem zur Paulas Kurz.ge.schich.ten bringen


Herzlich,
  
Emil

https://paulashaus.blogspot.com/search/label/Kurzgeschichte


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Donnerstag, 31. Januar 2019

Monatscollage Januar 2019

Das habe ich mir jetzt etwas einfacher vorgestellt. Unorganisiert wie ich bin, dachte ich: 'Du nimmst einfach Ende Monat ein paar Bilder und zack!, hast du eine Monatscollage.'
Nur um dann festzustellen, dass ich erstens nicht nur ein paar Fotos geknipst habe, dafür aber zweitens einiges, das in die Monatscollage passen würde, gar nicht. Die Frage ob Foto- oder Fundsachencollage stellte mangels Fundsachen wenigstens nicht. Unorganisiert sei Dank! Zeichnungen entfallen bei mir eh. Glaubt mir, sowas wollt ihr nicht sehen!
Und dann stand ich vor den grossen Fragen, welche der vielen Fotos denn nun repräsentativ meinen Januar vertreten sollen und wie ich die zu einer Collage zusammenfüge, dass es für mich stimmig ist. Gar nicht einfach!

Aber es ist ja noch keine Meisterin vom Himmel gefallen und so bin ich zufrieden mit mir, dass ich es überhaupt schon mal geschafft habe, im Januar bei Birgitt's Monatscollagen mitzumachen. Das habe ich die letzten Jahre nämlich verpasst und Mitten im Jahr mit Monatscollagen zu beginnen, das geht nun wirklich nicht! Das wäre mir zu unorganisiert!


Januar 2019


Im Januar 2019 habe ich

* das neue Jahr mit lieben Menschen und einem Glas Prosecco am Feuer begrüsst
* mich fefreut, dass mich das neue Jahr mit einem traumhaften Neujahrsmorgenhimmel begrüsst hat
* den ersten Föhnsturm im 2019 überstanden
* zusammen mit Herr Mo ein feines Znacht in einem schönen Restaurant genossen
* seit Längerem wieder mal einen spannenden Krimi begonnen
* den Sommer herbeigesehnt und die ersten Ferienpläne geschmiedet
* den Sommer herbeigesehnt und schon mal geschaut, was die verschiedenen Festivals heuer so auf dem Programm haben
* mich am warmen Ofen aufgewärmt
* mich in der Sauna aufgewärmt
* den Hunden beim Bloggen zugeschaut
* fleissig Babysachen genäht
* einfach so ganz wunderbare Post erhalten
* aus dem Fenster geschaut
* das Reussdelta auf der Suche nach einem neuen 12tel-Blick durchstreift
* den Vögeln beim Frühstück zugeschaut

und noch vieles mehr...

Herzlich, 
Monika




Mittwoch, 30. Januar 2019

12tel-Blick Januar 2019

Wer betet eigentlich immer wieder das Mantra runter, dass der 12tel-Blick eine herrlich unspektakuläre Aktion ist? Die Eva natürlich!
Und wer schreit am lautesten, dass sie keinen langweiligen Baumstrunk will sondern imposante Berge? Am liebsten auch gleich noch mit See oder zumindest Wasser? Wer? Genau!
Aber Eva ist ja nicht irgendwer, sondern quasi die Hausherrin der 12tel-Blicke. Ihr kann ich nur schwer einen Wunsch abschlagen.
Meine gestrige Umfrage im Blog und auf Insta lässt mich ein wenig ratlos zurück. Ich habe jetzt drei Mal gezählt. Jedes Mal mit einem anderen Resultat.
Einige Aussagen konnte ich nicht einem bestimmten Bild zuordnen. Eine Person wollte den Baumstrunk, aber sie wollte auch alle drei anderen Standorte. Zweimal wurde der Gitschen mit Wiese genannt. Das wäre Herr mo's Favorit. Circa zehn Leute sprachen sich für die Reussmündung aus und elf für den Gitschen mit Teich und Birke. Einige davon wünschten sich auch beide der letztgenannten Standorte.
Die Frage lautet also: Gitschen oder Reussmündung oder beide?
Zwei Standorte hatte ich früher schon, aber eigentlich möchte ich mich dieses Jahr nur auf einen festlegen. Das wäre schon mal klar.
Die Reussmündung könnte zwar interessant werden, wenn schon innerhalb des ersten Monats eine solche Veränderung passiert. Aber der Asthaufen schreckt mich eher ab und jedes Mal eine Leiter mitschleppen um einen schönen Blick auf das Wasser zu erhaschen, mag ich eigentlich nicht. Das versteht ihr, oder?
Auf die Frage, ob da gebadet wird: Nein, da ist Naturschutzgebiet mit Betretungsverbot. Wegen den Vögeln die hier brüten oder durchziehen. Ich nehme an, dass diese Stelle bewusst zugemacht wurde weil es immer wieder Leute gab, die dort durchgestiegen sind.

Langer Rede kurzer Sinn: Es bleibt  der Gitschen mit Birke, Hecke, Teich und einem kleinen Stück Spazierweg.

So sah es gestern aus.


Dieser Blick wird mich nun also ein Jahr lang begleiten.
Er beinhaltet irgendwie das, was die Gegend hier ausmacht. Ein Nebeneinander von Natur- und Kulturlandschaft.
Unspektakulär genug, liebe Eva?

Nun ist genug geschwaffelt! Ich verlinke nun das Bild bei Eva's Januar-12tel-Blicksammlung und schaue dann, wo die anderen 12tel-BlickerInnen dieses Jahr ihren Fokus setzen.


Herzlich,

Monika




Dienstag, 29. Januar 2019

Zu Hülf!

Ich habe jetzt echt ein Problem!
Ihr wisst ja vielleicht, dass ich auch dieses Jahr gerne beim 12tel-Blick mitmachen möchte.
Auf der Suche nach einem neuen Motiv schleiche ich deshalb seit Anfang Januar immer wieder mit der Kamera durch's Reussdelta.
Herr Mo wundert sich zwar, weshalb ich meinen Standort schon wieder am See suche. Ich wolle doch ein buntes Bloggerjahr. Als Alternative kommt uns nur das Telldenkmal in den Sinn. Die Touristen dort wären bestimmt bunt. Aber auf Willi, Walterli und Touristen habe ich keine Lust.
Dann doch lieber unbunt.
Es muss ja nicht unbedingt der See sein. Im Reussdelta gibt es auch andere schöne Blicke!

Ein alter Baumstrunk zum Beispiel.
Ob sich da viel tut im Lauf des Jahres?

Die Wiese wird im Sommer sicher bunt!
Den Fotostandort müsste ich noch etwas verschieben. Im Vordergrund hat es noch weitere interessante Naturelemente.

Das wäre auch nicht schlecht.
Wieder der Gitschen. Diesmal mit etwas Wasser und einer Hecke. In der rechten unteren Ecke könnte es auch mal bunt werden, wenn da jemand vorbeispaziert.

Ich hab's!!! Das ist es! Die Reussmündung.
Alles drauf, was ich mag: Berge, Bäume, Wasser. Das wird mein diesjähriger 12tel-Blick!

Letzte Nacht hat es ein wenig geschneit und heute scheint die Sonne. Da gehe ich doch noch einmal zu meinem Standort. Vielleicht gibt es ein noch schöneres Bild vom Januar.

Sagt, dass das nicht wahr ist!!!

Deshalb brauche ich nun eure Hilfe. Morgen sammelt Eva die neuen 12tel-Blicke ein und ich kann mich nicht entscheiden! Ich habe heute von jedem der vier Standorte nochmals ein Foto gemacht. Welches möchtet ihr morgen sehen? Welchen Blick favorisiert ihr?

Den Baumstrunk? Die Wiese mit Gitschen? Den Gitschen mit Hecke und Teich? Oder doch die Reussmündung?

 
Herzlich,

Monika



Montag, 28. Januar 2019

Kurz.ge.schich.ten N°8 {Alltag}

Hallo zusammen!

Du liebe Güte! 'Unter Alltag versteht man gewohnheitsmäßige Abläufe bei zivilisierten Menschen im Tages- und Wochenzyklus. Sagt Wikipedia. Und dazu möchte Paula diese Woche eine Kurz.ge.schich.te lesen.

Frauchen sträubt sich etwas gegen 'Alltag'. Sie sagt, sie sei nicht so der Tages-und Wochenzyklus-Mensch. Gewohnheiten finde sie zwar manchmal ganz hilfreich, aber oft sei ihr das zu reguliert und einengend. Unter uns gesagt: Ich finde, sie ist ziemlich chaotisch und unorganisiert!
Solange ich immer genug zu Fressen habe, regelmässig was mit Emil und meinen Menschen unternehmen darf und gaaanz viele Streicheleinheiten bekomme, interessiert mich das ganze 'Alltags'dings nicht weiter. Aber ich glaube, Wochenende und Ferien sind besser als 'Alltag'. Da verbringen Herrchen und Frauchen mehr Zeit mit Emil und mir und wir unternehmen ausgedehntere Ausflüge.

Die Geschichte, die ich euch heute zum Thema 'Alltag' erzähle, habe ich erfunden. Inspiriert haben mich andere Geschichten, die Frauchen manchmal dem Herrchen auf unserem gemeinsamen abendlichen Spaziergang erzählt hat.


Der alltägliche Wahnsinn

Schon sehr viele Jahre arbeitet die Frau... nennen wir sie Frau Mo... mit Menschen, die psychisch erkrankt sind. Sie besucht ihre KlientInnen zuhause und unterstützt sie darin, ihren 'Alltag' trotz ihrer Erkrankung möglichst selbständig zu bewältigen.
Frau Mo mag ihren Beruf gerne. Jeder Tag ist anders. Oft weiss sie am Morgen nicht, was sie tagsüber so alles erwartet.
Es ist ein ganz 'alltäglicher' Dienstag oder vielleicht ein Mittwoch? Egal! Es ist ein ganz gewöhnlicher Tag im Januar.

Frau Mo steht auf, als ihr Mann zur Arbeit geht. Sie heizt den Ofen ein, macht sich einen Kaffee und informiert sich, was in der grossen Welt so alles geschehen ist.
Gerade will sie sich, wie seit zwei Jahren beinahe jeden Morgen, über einen egoistischen, geltungssüchtigen, reichen Mann ärgern, der in einem fernen Land regiert und mit seiner 'Politik' die ganze Welt in Aufruhr gebracht hat. Der Kerl macht ihr mit jedem Tag mehr Angst. Doch da liest sie, dass der Schweizer Bundespräsident in einer Anprache an einem Treffen von vielen sehr, sehr reichen Männern Leuten den grausamen Mord an einem Journalisten, vermutlich ausgeführt auf Anweisung des Kronprinzen eines sehr, sehr reichen Landes, als 'abgehandelt' bezeichnet. Schliesslich will man ja mit dem sehr, sehr reichen Land weiterhin Waffen-Geschäfte abwickeln. Es macht ihr Angst, dass solche Leute die Schweiz repräsentieren.

Frau Mo beschliesst, auf weitere solcher 'Neuigkeiten' zu verzichten und geht mit den Hunden spazieren. Eine Runde im Wald bringt sie auf andere Gedanken.
Bald ist es Zeit für den ersten Termin.

Frau P. ist froh, dass Frau Mo am Morgen zu ihr kommt. Sie leidet unter Depressionen und würde sonst bis am Mittag im Bett liegen bleiben. Die beiden Frauen reden über die vergangene Woche. Frau Mo frägt vor allem nach dem, was für Frau P. gut gelaufen ist, was ihr gelungen ist.
Die Kinder seien am Wochenende zu Besuch da gewesen berichtet Frau P.. Sie sei jeden Tag, auch wenn es ihr schwer gefallen sei, einmal aus dem Haus gegangen und einmal habe sie mit einer Freundin telefoniert. Was ihr geholfen habe, diese Aktivitäten auszuführen, will Frau Mo wissen. Frau P. überlegte eine wenig. 'Es geht mir etwas besser, ich habe wieder mehr Energie als noch vor zwei Wochen.' sagt sie dann. 'Und der Wochenplan, den wir letztes Mal zusammen erarbeitet haben, der hat mir auch geholfen.' Also besprechen sie die nächste Woche und Frau P. erstellt sich einen neuen Plan.

Nach diesem Termin fährt Frau Mo zu Herr L. Er lebt mit vier Katzen in einer kleinen Wohnung in einem Altbauhaus. In der Küche stappelt sich das schmutzige Geschirr, nach den herumfliegenden Katzenhaarwolken zu urteilen, hat er seit Wochen nicht mehr Staub gesaugt. Frau Mo's Angebot, zusammen ein wenig aufzuräumen, lehnt Herr L. ab. Er möchte das selber können. Eine Strategie entwickeln, wie er das angehen möchte, will Herr L. heute aber nicht. Er verspricht, dass er beim nächsten Besuch von Frau Mo zumindest das Geschirr abgewaschen hat.

Kurz vor Mittag ist Frau Mo wieder daheim. Sie erledigt die Administration und liest ihre Mails. Dabei entdeckt sie einen Fehler in der Liste auf der sie aufgeführt wird weil sie letztes Jahr die Qualitätsrichtlinien erfüllt hat. Schon wieder ein Fehler! Ärgerlich, wie oft das ausgerechnet der Organisation passiert, deren Geschäft die sogenannte Qualitätssicherung ist.

Ein kleines Mittagessen und eine zweite Hunderunde, dann fährt Frau Mo zu Herr M..

Es gefällt ihr gar nicht, in welchem Zustand sie ihn antrifft. Er wirkt misstrauisch, vertraut ihr dann aber doch an, dass er Stimmen höre und sich verfolgt fühle. Die Stimmen würden ihm sagen, dass die Islamisten bald die Schweiz einnehmen würden. Er habe in den letzten drei Nächten kaum geschlafen und getraue sich nicht mehr, das Haus zu verlassen. 
Frau Mo frägt nach den Medikamenten. Die habe er immer genommen! Obschon er ja nicht krank sei und es ihm sonst gut gehe. Herr M. lässt sich dazu bewegen, das Reservemedikament zu nehmen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass dann die Stimmen nicht mehr so sehr im Vordergrund sind. Frau Mo verspricht, morgen noch einmal bei Herr M. vorbei zu kommen und zu sehen, wie es ihm geht.

Unterwegs zum letzten Termin für heute wird der Verkehr auf der Autobahn auf die linke Fahrspur geleitet. Obwohl die rechte Spur schon eine ganze Weile mit einem Fahrverbot versehen ist, wird Frau Mo rechts überholt. Ist der verrückt???
Es fällt ihr wieder ein, dass gestern so ein Irrer beinahe in sie gedonnert wäre, weil er die Kein-Vortritt-Signalisation missachtet hat. Diese Autofahrerei macht Frau Mo manchmal echt Angst.

Frau Z. freut sich, dass Frau Mo kommt. Sie will einiges mit ihr besprechen. Übermorgen steht ein Termin mit der Beraterin der Invalidenversicherung an und sie hat grosse Angst davor. In den letzten Gesprächen hatte sie das Gefühl, dass die IV-Beraterin keinerlei Verständnis für ihre Zwangserkrankung zeigt und ihr gar nicht helfen will.
Dazu kann Frau Mo nur sagen: 'Der IV geht es in erster Linie darum, möglichst wenig Leistungen erbringen zu müssen.'
Sie bespricht mit Frau Z. das Gespräch vor und gibt ihr Tipps was sie tun kann um die Ängste und den Stress erträglich zu halten.

Schon oft hat Frau Mo erlebt, dass die IV Abklärungen und Eingliederungsmassnahmen endlos hinauszögert und Klienten in finanzelle Notlagen geraten. Viele IV-BeraterInnen haben offensichtlich keine Ahnung von psychischen Erkrankungen. 'Eingliederung vor Rente!' heisst doch das erklärte Ziel der IV.  Da kann sie nur bitter lachen!
Aber in der Schweiz spart man ja lieber bei denen, die nichts haben, als dass man bei denen, die viel haben, angemessene Steuern erhebt.

Es ist Abend geworden. Frau Mo fährt nach Hause. Sie kocht etwas zum Znacht und freut sich auf einen gemütlichen Abend mit ihrem Mann. Auf der gemeinsamen Hunderunde erzählt sie ihm ein wenig von ihrem Tag. Was sie gefreut und was sie belastet hat. Seit sie selbständig ist und kein Team mehr hat, mit dem sie sich austauschen kann, ist sie froh, dass er ihr zuhört.

Manchmal wird Frau Mo dafür bewundert, dass sie ihren Beruf nun schon so lange ausübt. 'Das könnte ich nie!' Heisst es dann zum Beispiel. Oder sie wird gefragt, ob sie nie Angst habe. Ihre Klienten seien doch bestimmt völlig unberechenbar.
Sie sagt dann: 'Es gibt auf dieser Welt einiges, das für mich unberechenbar ist und vor dem ich Angst habe. Meine KlientInnen gehören definitiv nicht dazu!'


Ui, das war eine lange Geschichte! Ist noch jemand da?

Ich sage jetzt Frauchen, dass sie die Geschichte wieder zur Paula und ihren Kurz.geschich.ten schicken kann. Und dann hätte ich gerne ein Guzeli. Ich finde, das habe ich mir verdient.


Herzlich,

Layana


Falls du auch Lust hast, eine Kurz.ge.schich.te zu schreiben, findest du unten Paula's Themen für den Monat Februar:

 https://paulashaus.blogspot.com/search/label/Kurzgeschichte